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1.12.2025 / 9.12.2025

Verkehr, Verkehr – immer noch oder immer wieder ein Dauerthema.

Die Einrichtung der Superblocks hat zu einer Abnahme der gezählten Verkehrsbewegungen geführt. Ein Zahlenbeispiel für die Davidsbodenstrasse, ermittelt mit Sensoren der Fa. telraam.net Für die Aggregation über 6 Wochen nutzen wir die Basic-API von telraam:

ZeitraumZahl Verkehrsbewegungen (PKW)
17.7.2025 – 15.8.2025
(6 Wochen vor Eröffnung)
23.129
16.8.2025 – 30.9.2025
(6 Wochen nach Eröffnung)
17.286
1.10.2025 – 15.11.2025
(weitere 6 Wochen später)
10.559

Diese Zahlen drücken aus, ob sich ein Fahrzeug durch die Davidsbodenstrasse bewegt hat. Dabei kann es sich um unerlaubten Durchgangsverkehr oder zulässigen Quell- oder Zielverkehr handeln.
Um abzuschätzen, wie hoch der Anteil Durchgangsverkehr an diesen Verkehrsbewegungen sein kann, nutzen wir das Tool zur Kordonzählung von changing-cities.org. Eine Auswertung von bisher 2 Testmessungen findet sich hier.

Eine erste Schlussfolgerung, noch nicht evident: wohl mehr als 50% der verbliebenen 10.559 Bewegungen ist unerlaubter Durchgangsverkehr.

Es hat sich gezeigt, dass die Hoffnung der Projektleitung der Superblocks, die neuen Verkehrsregeln im Superblock können durch eine „weiche“ Signalisation innerhalb einer Einführungsphase weitgehend eingeführt und etabliert werden, sich nicht erfüllt hat. Man wird sich überlegen müssen, welche stärkeren Massnahmen ergriffen werden können.

Am 1.12. hat die Polizei mit besserer technischer Ausstattung (Fotokamera, Funk) den Durchgangsverkehr gemessen und auch gebüsst. Vielleicht ein Bote des Vorgehens im nächsten Jahr? Im Jahr 2025 ist dieses Vorgehen eher die Ausnahme

Ich habe heute mit dem Polizisten, der bei mir stand (ecke Davidsrain), kurz gesprochen. Sie waren zu zweit oder zu dritt, in Zivil. Haben alles gefilmt und gemessen. Sie waren via Funk verbunden. Und teilweise mit Fotokamera. Damit sie Beweise sichern konnten. Der Polizist war auch mittelprächtig entsetzt über die Dreistigkeit. Es werden Bussen verschickt.
C.

In den Kontext „(Nicht) Durchsetzung veränderter Regeln im Superblock“ passt eine Nachricht, die am 9.12. geschrieben wurde:

Mich beschleicht der Verdacht, dass die Polizei den Superblock-Test nur widerwillig unterstützt. Anstatt die Durchfahrer zu stoppen, verteilen sie leichtfertig Bussen an Handwerker. Ich hatte ein Leck in der Warmwasserleitung und mein Sanitär war gezwungen, seinen Lieferwagen auf dem Halteverbot abzustellen, weil auf der anderen Seite ein großer Lastwagen stand, um Haushaltsgeräte abzuladen. Der Wagen von meinem Sanitär ist deutlich beschriftet und seine Telefonnummer ist groß darauf. Anstatt ihn anzurufen, verpasst man ihm einfach eine Busse. Das ist doch gerade der Vorteil der aufgehobenen Parkplätze, dass die Handwerker endlich vors Haus fahren können. Ich verstehe auch nicht, weshalb die Einbahn-Signalisation nicht vom St. Johanns-Ring her installiert wurde. Damit wäre die Durchfahrt wohl unterbunden worden. Es wird noch sehr viel Wasser gen Frankreich fliessen bis sich die Bevölkerung und die Ämter auf ein verändertes Mobilitätsverhalten einlassen. Habe fertig! Gruss vom Superbock M.

Wichtig, dass das alles in eine gute und ehrliche Evaluation einfliesst! Gruss S.

4.12.2025

Die kürzlich ausgesprochene Beendigung des Pilotprojekts und der damit einhergehende geplante Rückbau der Entwicklungen sowie die Wiederherstellung eines Zustands, den sich viele Menschen nicht mehr zurückwünschen und vorstellen können, ist weiterhin Thema in den Basler Medien. Heute im täglichen „Basel Briefing“ von Bajour.

Abriss in der Kritik
Kürzlich berichteten wir darüber, dass alles, was die Bewohner*innen der Superblocks im Matthäus und im St. Johann aufbauen, im Sommer wieder abgebaut werden muss. Kurz darauf reichte der Verein Grüne Superblocks Basel eine Petition ein, die fordert, dass das Pilotprojekt um mindestens ein Jahr verlängert werden soll und, und zwar so, «dass eine spätere Überführung in einen Dauerzustand ohne erneuten Abbau möglich ist». Vier Tage nach Start der Petition ist das Sammelziel bereits zu 96 Prozent erreicht.
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Nun wird auch die Politik aktiv. Grossrat Oliver Bolliger (Basta) hat am Mittwochabend eine Interpellation eingereicht, die Bajour vorliegt. Er schreibt, dass es nicht nachvollziehbar sei, weshalb ein Test eines Pilotprojekts vor Abschluss der Auswertung endet und nicht abgewartet werden kann, bis die abschliessenden Resultate vorliegen. Die bisherigen Resultate würden nachweisbare Erfolge zeigen und könnten laufend evaluiert und optimiert werden, wie es in anderen europäischen Städten mit Superblocks bekannt ist. Er will unter anderem von der Regierung wissen, was sie bereit ist zu tun, um die Pilotphase und die Verkehrsanordnung zu verlängern und fragt, wie der Abbruch mit den Klimazielen vereinbar ist.

6.12.2025

Einige aus der St. Johannsgruppe unterstützen an diesem Vormittag die „Grättimaa Aktion“ im Matthäus Perimeter. Es wird ein toller Vormittag, trotz mittelprächtigem Nieselwetter.

Wir sammeln eine Menge Unterschriften für unsere Petition und führen viele tolle Gespräche mit Menschen auf der Strasse rund um den Matthäusplatz. Erstaunlich: Bis auf wenige Ausnahmen gibt sich keine Person als Kritiker:in der Superblockkonzepte zu erkennen.

Fast das Wichtigste dieses Vormittags: Die Menschen, die sich links und rechts des Rheins für das Konzept von Superblocks in der Stadt einsetzen, kommen zusammen. Während man sich bisher eher in der abgeschlossenen Gruppe bewegt hat, schliesst man sich nun zusammen und setzt sich gemeinsam für das Gelingen und Ausbreitung einer Verkehrswende ein. Das gibt enorm Kraft und motiviert.

10.12.2025

Die Superblockpilotprojekte bekommen auch aus dem Ausland Aufmerksamkeit. Die Badische Zeitung recherchierte zur Stimmung der Bewohner:innen im Perimeter St. Johann. Zum Interview mit der Journalistin traf sich der Autor dieser Zeilen im Café Jele. Lustig war, dass die Journalistin auf ihrem eigenständigen Rundgang (vorab zum Interview) durch den Perimeter mit einer Anwohnerin ins Gespräch kam (so ist das im Superblock). Diese Person wurde dann (nach dem Fotoshooting beim Tannebäumle) auch noch gleich zum Interview eingeladen. Die Interviewten konnten dann auch die Geschichte erzählen, dass sie sich erst durch die neuen Aufenthaltsmöglichkeiten im öffentlichen Raum des Superblocks kennengelernt hatten, was von der Journalistin dann gleich als „Superblockmerkmal“ festgehalten wurde.
Grösseren Raum im Artikel nimmt auch der vor wenigen Tagen verkündete geplante Abbau nach einem Jahr ein, was im Titel „Die Superblock-Anwohner sind wütend“ resultierte. Wer den ganzen Artikel lesen möchte: (Paywall)

Bereits im November 2025 berichtete die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“ über den Superblock im Matthäusquartier (Paywall)

11.12.2025

Es gibt zwischendurch Menschen, die den Superblock „kreativ“ missbrauchen. Wird sonst nicht selten Sperrgut wild am Strassenrand entsorgt, fanden sich hier wohl einige ganz schlau bei der Idee, das wegzuwerfene Sofa einfach in eine Pergola zu stellen.

Aber man hat wohl nicht mit der Ausdauer und dem Engagement der Superblock-Anwohnerinnen gerechnet.

Liebe krayenrain-superblöcklers, in eurer Pergola steht ein Sofa zum Entsorgen (ja, danke auch).
Ich habe Abfuhr- Vignetten und bestelle die Sperrmüll Abfuhr. Aber wenn ihr bis dahin das sofa aus der pergola aufs trottoir stellen würdet wäre das sehr cool und hilfreich. J.

Hallo zusammen
Ich helfe heraustragen. Wer macht mit? G.

wann? lg t.

Heute 16 Uhr. Ok? B.

Braucht es noch Menschen? F.

Danke F.. Wir werden mindestens zu zweit sein. Das reicht. LG, G.

Und so war die Pergola bald wieder nutzbar…

12.12.2025 / 16.12.2025

Viel wurde in den Wochen (Monaten) zuvor über einen workout gesprochen und diskutiert. Geplant war er, schwierig aufzubauen (befestigen) und teuer dazu. Zuletzt war die Installation einer Slackline möglich. Am 12.12. war es soweit, si konnte benutzt werden

Der Autor dieser Zeilen konnte dann beobachten, wie eine Person aus dem Haus bei der Slackline mit einem Kind gleich in einen Wettbewerb treten konnte, wer es denn nun länger auf dem Band balancieren könnte. Ein schön anzuschauender Moment.

Vier Tage später kam die Nachricht im Chat, dass das Band zerschnitten worden ist.

Die Slakline am Krayenrain ist kaputt, wurde zerschnitten!? 😢

Es folgte dann noch eine kleine Diskussion über das wieso einer solchen Handlung.

Wir sind schockiert angesichts des kriminellen Aktes einer durchgeschnittenen Slackline. Es hinterlässt ein ungutes Gefühl für uns im Superblock und in unserer Strasse. Wurde es der Polizei gemeldet? Grüsse M.

Find ich auch sehr ärgerlich. Vandalismus kommt ja leider überall vor. Sollten wir nicht zu sehr auf den Superblock beziehen. Aufmerksamkeit ist aber wichtig. Gerne bei der Polizei melden
B.

Ich habe es der Polizei gemeldet. Gruss M.

Die Interpretation kann ich so nicht teilen B.
Mein Eindruck:
die Welle und Energie, welche das Superblockkonzept zum Starten gebracht hat und, noch mehr, die nicht unbeträchtliche Zahl Menschen, die das aktuelle Projekt sichtbar und energiegeladen aufrecht erhält, verunsichert oder beunruhigt die Menschen in zunehmendem Masse, welche die Veränderungen nicht wollen.
Ein durchschnittenes Band kann dann eine Reaktion sein.
LG, g.

Das Band wurde noch im Jahr 2025 ersetzt!

19.12.2025 (Superblatt Ausgabe Nr. 4)

Es erscheint die Superblatt Ausgabe Nr. 4 für den Monat Dezember.

Themen diesmal:

  • die Nachricht, dass der Kanton die Perimeter der Superblocks auf beiden Rheinseiten mit der Beendigung des Pilotprojekts im Sommer 2026 wieder in den „Vor“-Zustand zurückführen möchte
  • dass wir als Gemeinschaft diese Absicht als abstrus und unverständlich einstufen und uns dagegen zur Wehr setzen werden.
  • der erste Schritt der Gegenwehr die bereits zwei Wochen zuvor gestartete Petition ist.
  • zum Schluss gibt es noch eine Geschichte zu einem Scheinriesen im St. Johann.

Viel Spass beim Lesen des Superblatts!

20.12.2025 (Advents Festli)

Beim Eindunkeln fand gegen Abend das Advent Festli im Superblock statt. Die Anwohner bauten Tische auf und brachten Gebäck, Punsch und Glühwein. Die Kinder bastelten fleissig auf einem Tisch, während die grösseren Kinder Fangis spielten.

Auch auf eine musikalische Umrahmung musste nicht verzichtet werden. Ein Chor („Stimmbänder“), mit mehr als einem dutzend Mitglieder, brachte den Superblock in weihnachtliche Stimmung.

Wie gemütlich das gestern war mit vielen schönen Begegnungen!
F.

Schön war es gestern, merci an den Chor „Stimmbänder“ und alle, die mitgeholfen haben.

21.12.2025

Zwischendurch laden sich die Anwohner:innen der Superblocks auf beiden Rheinseiten zur Teilnahme an Begegnungen in ihrem Perimeter ein.

Wir erweitern am Sonntag den Superblock Matthäus:
Ihr seid herzlich eingeladen!

Ich (Autor dieser Zeilen) bin dann auch „rübergefahren“ – und war begeistert. Für mich war es eines der schönsten Erfahrungen des letzten Halbjahres. Nicht nur im St. Johann so viele neue Menschen auf offener Strasse kennengelernt zu haben (dabei wohne ich jetzt schon mehr als 25 Jahre in Basel). Nein, sich einfach auch mal auf die andere Rheinseite zu begeben und ganz niederschwellig am Strassenrand Platz zu nehmen und Menschen, die zufällig vorbeikommen, zu sprechen.

Dabei fand der Abschluss „Lichterfest“ noch nicht mal im Perimeter des Superblock Matthäus statt, sondern im Teil Begegnungszone der Haltingerstrasse. Dort hatte man dann kaum Platz, wenn Autos, nicht selten im zu hohen Tempo, an einem vorbeifuhren.

Aber es war ein toller Moment, sich einfach den Raum zu nehmen, den sonst nur Autofahrer:innen glauben in Anspruch nehmen zu können.

Gleichzeitig war dieses Lichterfest auch ein schöner Abschluss für das erste Halbjahr Superblock und damit auch für dieses Tagebuch.

und hier geht es zum Januar 2026 Tagebuch